5.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

5.
Giocondo wartet, daß ich Liebe bringe /
Er geht, vom eignen Werte überzeugt,
Des Tages Gang und wartet ungebeugt.
Geschenke bringt er oft: Juwelen, Ringe

Und Tand, wie er wohl früher Frauen brachte.
Was soll das meiner Jugend? Er ist alt,
Die gabenvolle Hand so müd und kalt,
Der Schritt so schwer, der Blick so leer und sachte.

Dies alles hab ich damals nicht gesehen,
Als er aus blassem Jugendtraum mich nahm,
So reich und prunkend an die Schwelle kam
Und um mich warb / wie konnt ichs auch verstehen?

Nun bin ich sein und kann ihm doch nichts geben
Als nur die kleine Lust, die er verlangt.
Ob er wohl fühlt, wie tief die Frage bangt:
Ist dies das ganze Glück / ist dies das Leben? (S. 5)
_____

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