44.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

44.
Ich fühle oft, wenn ich im Schwarm der Gäste
Bedächtig durch beglänzte Säle schreite,
So wilden Wunsch nach Taten, Schrei und Weite
Und daß ich einmal diesem Zwang entgleite
Und all der Heuchelei so hohler Feste.

Dann ist es still in mir wie vor Gewittern,
Die, eh sie schön und dröhnend niedergehen,
So stumm und schwarz wie Totenwachen stehen, /
Wer aber kann die schrillen Blitze sehen,
Die tief in dunklen Wolkenschichten zittern!

Und heiter lächelnd trag ich meine Bürde
Den andern nach und scheine stillzufrieden,
Mein Sehnen aber tanzt auf Pyramiden,
Auf hohlen Menschenschädelpyramiden,
Sich frei von Lug und List und Zwang und Würde. (S. 46)
_____

More poems by Gisela Etzel

  • 34.

    34.
    Mein Tag ist so von Liebe ganz beladen,
    Daß ich erschauernd wie durch Wonnen gehe, …
  • 10.

    10.
    Ich möchte wohl solch eines reinen Knaben
    Verschwendend ersten Liebesjubel haben …
  • 11.

    11.
    Der Wegrain blüht; die goldnen Königskerzen
    Umdrängen still und stolz den alten Zaun, …
  • 12.

    12.
    Komm, Knabe, komm und sieh mir in die Augen,
    Die dunkel sagen, daß sie dich verstehn, …

All poems by Gisela Etzel →