32.
Weiße Rosen gab mir heute
Lionardo, und er fing dabei
Meine Hand wie liebe Beute,
Hielt sie fest und gab sie nicht mehr frei.
"Monna," sprach er, "Eure Hände
Sollten immer voller Rosen sein,
Wie so schön sich dann verbände
Blume, Blatt und Duft und Elfenbein."
"Meister," sprach ich, "meine Hände
Ruhn jetzt aus im Schoß der Welt;
Laßt sie ruhen ohne Ende,
Wüßte nichts, das besser mir gefällt!"
Fiel sein Blick auf Hand in Händen,
Sah auf meine, sah auf seine dann/
Wars, als ob Gewölke schwänden,
Dunkle Glut sein Antlitz überspann.
Und sein Auge wurde nächtig,
Als es tief in meines sich ergoß,
Seine Stimme schwoll und grollte mächtig,
Als sie nun in Worten überfloß:
"Monna Lisa! Lisa! Monna!"
Strömte, rauschte Jubel ihm vom Mund,
"Liebe selige Madonna,
Weltenwonnen tust du lächelnd kund!"
Und ich sagte: "Euer Knabe
Rafaelo, wußte lange schon,
Daß ich Euch im Herzen habe;
Lionardo, Ihr seid kein Spion!"
O wie seine Lust entflammte!
Seine Liebe war wie rotes Erz!
Und der Flammengeist, dem er entstammte,
Riß uns auf ans Weltenherz.