26.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

26.
In Santa Maria Novella
Da steht ein heiliges Bild,
Dem übermenschliche Gnade
Erbarmend vom Herzen quillt.

Nach Santa Maria Novella
Zum Bilde gehn viele Fraun,
Um seinem verschwiegenen Herzen
Ihr sehnendes Leid zu vertraun.

Denn wer in Maria Novella
Inbrünstig vorm Bilde liegt,
In segenerflehenden Armen
Wohl doch noch ein Kindlein wiegt.

In Santa Maria Novella
Da kniee ich Tag für Tag
Und bitte die heilige Mutter,
Daß sie mich erhören mag.

In Santa Maria Novella
Da steht er dann dunkel und stumm
Und dreht mir mit flehenden Blicken
Die Schwerter im Herzen herum. (S. 26)
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