23.
Du anmutvolle Frau, du lieb Gesicht,
Wie liegst du, Schöne, mir so tief im Sinn!
Vielleicht, weil ich wie du so leicht und licht,
Wie du so immer neu und seltsam bin.
Hellbraunes Haar um feine breite Schläfen,
Hellbraune Brauen, die wie Wächter stehn,
Daß blaue Pfeile um so sichrer träfen,
Die durch gewölbte Wimpergitter gehn.
Ein Blick voll Schalkheit und gewohnt zu siegen,
Und doch gewohntem Sieg so wenig hold,
Daß Überlegenheit mit Lächelbiegen
Im Winkel schöngeschwungner Lippen schmollt.
O freudevolles Rund der festen Brüste,
Die unter glattem Kleid geborgen ruhn,
Die Vieler Blick um Blick bewundernd küßte,
Und die so selbstverständlich sicher tun.
Wie gleichst du, schöne Frau, doch dem Opal,
Dem kreisgeschloßnen Stein, den ich besitze,
Der tausend Farben hat und jedesmal
Mir neue Flammen zeigt und buntere Blitze.