19.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

19.
Wenn ich zu meinem werten Maler gehe
Und ganz gekleidet bin, wie er es liebt,
Und wenn ich dann vor seinen Augen stehe
Und er mir lang und stumm die Hände gibt,

Mich ansieht wie ein Bild, bis ich ihm lächle
Das Lächeln, dem er unterworfen ist,
Und seinem kleinen Feuer Gluten fächle,
Mit kühlem Blick und süßer Frauenlist:

Dann fühle ich mit vielen heißen Schauern,
Daß meine Stunde nicht mehr allzufern, /
Und fürchte doch dabei mit bangem Trauern,
Daß mir ein Sklave wird aus meinem Herrn. (S. 19)
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