18.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

18.
Die Eiche

Die große Eiche lebt starr und stumm
Ihr grünes Leben allein
Und hat mit dem bunten Blühen ringsum
Nichts gemein.

Die Vögel, die tags ihre Äste bedrängen,
Lassen kein Lied zurück,
Die Zweige, die starr ins Mondlicht hängen,
Kennen kein Glück.

Wissen nur Schwermut und eckigen Stolz
Und breites Schweben im Raum /
Fest verschlossen im harten Holz
Atmet ein Sonnentraum.
(S. 18)
_____

More poems by Gisela Etzel

  • 34.

    34.
    Mein Tag ist so von Liebe ganz beladen,
    Daß ich erschauernd wie durch Wonnen gehe, …
  • 10.

    10.
    Ich möchte wohl solch eines reinen Knaben
    Verschwendend ersten Liebesjubel haben …
  • 11.

    11.
    Der Wegrain blüht; die goldnen Königskerzen
    Umdrängen still und stolz den alten Zaun, …
  • 12.

    12.
    Komm, Knabe, komm und sieh mir in die Augen,
    Die dunkel sagen, daß sie dich verstehn, …

All poems by Gisela Etzel →