18.

German

18.
Die Eiche

Die große Eiche lebt starr und stumm
Ihr grünes Leben allein
Und hat mit dem bunten Blühen ringsum
Nichts gemein.

Die Vögel, die tags ihre Äste bedrängen,
Lassen kein Lied zurück,
Die Zweige, die starr ins Mondlicht hängen,
Kennen kein Glück.

Wissen nur Schwermut und eckigen Stolz
Und breites Schweben im Raum /
Fest verschlossen im harten Holz
Atmet ein Sonnentraum.

HTML Title: 

18.

Year Written: 
1912
Year Rounded: 
1 900
Poem StrLen Difference: 
54

More from Poet

9.

9.
Durch nächtliche Gassen welch süßes Getön,
Wie zwitschernde Vögel in Träumen,
Wie flüsternde Binsen, wie zartestes Wehn
Von Winden in knospenden Bäumen!

Ich öffne das Fenster und blicke hinaus
Und lausche mit...

8.

8.
Unvergleichliches Entzücken
Blüht mir auf aus buntem Strauß;
Welche Freude, ihn zu pflücken,
Sommerglück ans Herz zu drücken!
Trag ihn armevoll nach Haus.

Häufe ihn in schönstem Glase,
...

7.

7.
Zuweilen geh ich morgens in den Garten,
Wenn noch der Tau die nackten Füße streift,
Verschlafne Vögel auf die Sonne warten
Und alles sacht dem Licht entgegenreift;

Dann trinken meine nachterfrischten Sinne
All...

6.

6.
Es ist nicht Sitte, daß ein Weib es wage,
In ein Sonett ihr Fühlen zu ergießen,
Sie soll sich nur dem Gatten ganz erschließen,
Nur dieser seis, dem sie die Seele klage.

Und daß ich doch nun so in Versen sage
Von...

63.

63.
Nur Stunden noch kann meine Seele wachen
Und weit in Ferne nach dir suchen gehn,
Ein letztes Mal die Liebe anzufachen /
Nur Stunden noch, dann kommt der schwarze Nachen,
Und steinern kalt wird Dunkel mich umstehn.

...