XIV.

by Johann Diederich Gries (1775–1842) · 1829 German

Sie sollte mir ein Angedenken geben -
Die letzte Stunde war's von schönen Jahren -
Nimm eine Rose dir aus meinen Haaren!
Sie sprach's; der Ton wird ewig mich umschweben.

Vor Wonne fühlt' ich meine Hand erbeben,
Und lange wählt' ich in den bunten Schaaren,
Und konnte doch die Schönste nicht gewahren;
Der schönste Reiz schien jede zu umweben.

O zürne nicht, du Königinn der Rosen!
Dass ich gewagt, vom Thron dich zu vertreiben,
Der über alle Schwestern dich erhöhet.

Der Blüthe Reiz verweht wie Zephyrs Kosen.
Wärst du gewelkt, Sie hätte dich verschmähet;
Mir wirst du, auch verblüht, die schönste bleiben. (S. 182)
_____

More poems by Johann Diederich Gries

  • An Eleonore

    Auch du entfliehst? So welkt die letzte Blüthe
    Aus meines Frühlings bald verblichnem Kranz!
    Der letzte Strahl des Morgenlichts verglühte, …
  • Das Plätzchen im Walde

    Das Plätzchen im Walde.
    Du stiller Ort, wo oft mit lieblichem Erröthen
    Die Muse mir den Schleier fallen ließ, …
  • Der Arzt

    Der Arzt.
    Von der Krankheit Glut verzehret
    Lag des Königs einz’ger Sohn. …
  • Der Bach

    Der Bach.
    Lieblicher fleußt, o Bach, die stille Lethe
    Durch Elysiens Fluren nicht; es sprudelt …

All poems by Johann Diederich Gries →