Sonette

by Johann Diederich Gries (1775–1842) · 1829 German

Du eilst von Ort zu Ort, von Land zu Lande,
Nie ruhend hin mit leicht bewegtem Schritte,
Und denkst vielleicht, nach flücht'ger Wandrer Sitte,
Nicht mehr des Freunds im fernen Vaterlande.

Mich aber fesseln hier, am Felsenstrande
Des rauhem Stroms, in meiner stillen Hütte,
In des gewohnten Lebens stäter Mitte,
Mit herrischer Gewalt des Schicksals Bande.

Doch ob sie fest und fester mich umfassen,
Mein Geist vermag des Kerkers Wand zu spalten
Und bleibt dir nah, der Zeitgewalt zum Spotte.

So folgt auch sie, die Helios verlassen,
Als Blume noch, vom Boden fest gehalten,
Mit glüh'ndem Blick dem wandelbaren Gotte. (S. 169)
_____

More poems by Johann Diederich Gries

  • An Eleonore

    Auch du entfliehst? So welkt die letzte Blüthe
    Aus meines Frühlings bald verblichnem Kranz!
    Der letzte Strahl des Morgenlichts verglühte, …
  • Das Plätzchen im Walde

    Das Plätzchen im Walde.
    Du stiller Ort, wo oft mit lieblichem Erröthen
    Die Muse mir den Schleier fallen ließ, …
  • Der Arzt

    Der Arzt.
    Von der Krankheit Glut verzehret
    Lag des Königs einz’ger Sohn. …
  • Der Bach

    Der Bach.
    Lieblicher fleußt, o Bach, die stille Lethe
    Durch Elysiens Fluren nicht; es sprudelt …

All poems by Johann Diederich Gries →