Wie du so lieb mir bist

by Georg Scheurlin (1802–1872) · 1858 German

Es duftet's jede Blüthe,
Wie du so lieb mir bist;
Weiß nicht, wie mein Gemüthe
So gar verrathen ist;
Ich hab's allein der Nacht vertraut,
Daß sie es treu behüte:
Wie du so lieb mir bist.

Wußt nimmer, daß zu schweigen
Der Wald so leicht vergißt;
Nun singen's in den Zweigen
Die Vöglein alle Frist,
Und auch die Blätter flüstern leis,
Die sich im Winde neigen,
Wie du so lieb mir bist:

So Laub als Vöglein trieben
Mit mir wohl schlimme List,
Weil allerstillstes Lieben
Kein glücklich Herz ermißt;
Denn nur auf einer Rose Saum
Mit Schmerz hab ich's geschrieben:
Wie du so lieb mir bist. (S. 140)
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