Das Leid, das du verkünden mußt

by Georg Scheurlin

Du ziehest mild und gnadenreich;
Von deines Auges Strahl berührt,
Erschrickt mein Herz, der Blume gleich,
Die ihres Lenzes Odem spürt.

Du kommst, - und meine Nacht erhellt
Der milde Mond; du ziehst davon
Und von den Blüthen meiner Welt
Entfällt die schönste mir - der Ton.

Ich möchte fragen, ob du sei'st
Der Friedensengel, ob sein Traum;
In deiner Hülle schwebt der Geist
Der Liebe durch den Erdenraum.

Du aber wandelst unbewußt
Der Sehnsucht, die dein Kommen giebt;
Das Leid, das du verkünden mußt,
Ist nur mein Schmerz, der still dich liebt. (S. 144)
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