Welt-Einsamkeit

by Franz von Dingelstedt

Entfernt von allen andern, Sah ihre Augen hell und rein, Gleich Sternen, ob mir wandern, Und fühlte ihres Athems Wehn So warm um meine Wangen, Daß ohne Worte, ohne Flehn Ich schier vor Lust vergangen. Was wollt' ich, was bedurft' ich mehr, Als diese liebe Stelle? Der Schwarm von Menschen rund umher, Musik und Kerzenhelle, Die ganze, volle, fremde Welt Verschwand und war vergessen, Als wir selbander treugesellt Im Erkelein gesessen. Und wie wir uns so ganz genung, So abgeschieden schienen, In traulich-sich'rer Dämmerung Versteckt von den Gardinen, Da kam mir plötzlich doch ein Flehn, Ach! nimmer zu erfüllen: Der Vorhang möchte niedergehn Uns ewig zu verhüllen! Aus: Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden Siebenter Band Zweite Abteilung (Lyrische Dichtungen Erster Band) Berlin Verlag von Gebrüder Paetel 1877 (S. 10-11) _____

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