Wack’rer Mann
[30] 5. Wack’rer Mann! Schon früh am Morgen Öffnet er die Ladenthür, Räumt, als trüg’ er schwere Sorgen, Keuchend sein Geräth herfür:
Ahle, Schusterkneip und Zirn, Oft auch steht und sinnt er lange, Oder reibt sich ernst die Stirn; Endlich sitzt er – doch die Hände
Denn am linken Straßenende Ist ein schlimmer Handel los: Frühbezechte Eseltreiber Prügeln sich dort blau und wund,
Übt behende Faust und Mund. Durch verächtliche Geberden Sagt der Meister, was er denkt, Bis ein Stiefel, noch im Werden,
Heut’ noch wird er ihn vollenden – O gewiß, er schwört’s bei sich! Dreht ihn zwischen kund’gen Händen Und holt aus zum ersten Stich.
Hastig schießt’s an ihm vorbei – „Euer Blatt!“ und ihm zu Füßen Liegt die Zeitung. – „Nun es sei!“ [31] Vorerst will er sich berathen,
Welches Bündnis, welche Thaten – Traun, noch ist man Patriot! Spät erst, doch mit stolzen Blicken Nimmt er seinen Stiefel auf,
Hastet sein Gedankenlauf, Bunt sich kreuzend hin und wieder: „Afrika“ und „Crispi“ – „Zwirn“ – „Mehr Soldaten“ – auf und nieder
Bis der Schweiß in hellen Tropfen Von der biedern Stirn ihm fällt Und die Hand mit ihrem Klopfen Leise bebend innehält.
Über ihm – sein Athem stockt – „Sie!“ und seine Blicke irren Sehnend aufwärts: Schwarzgelockt Nickt ein Köpfchen ihm von oben
Während er, das Haupt erhoben, Nachstarrt, bang und voll Verdruß.... Nun tritt sie heraus, nun schreitet Lächelnd sie dem Corso zu –
Ihm zum letzten Mal der Schuh....