Vorüber

by Moritz Graf von Strachwitz (1822–1847) · 1887 German

Im Dorfe gellt des Wächters Ruf,
Ich fahre durch die schwüle Nacht,
Den sprühenden Kiesel haut der Huf,
Die dampfende Achse stöhnt und kracht.

Ich fahr' an meiner Dame Schloß
Vorüber in die Weite trüb.
Ich darf nicht sagen: "Steh, mein Roß!"
Und nicht: "Gut Nacht, mein süßes Lieb!"

Du träumst, o Herrin! - träume süß
Und träume uns ein beß'res Glück!
Ein Traum nur ist das Paradies
Und jeder sel'ge Augenblick.

Du träumst, o Herrin, - träume hold!
Und breche nicht des Schlummers Kraft
Der Wagen, der vorüberrollt
Mit mir und meiner Leidenschaft!

Nicht störe dich mein Auge wild,
Das brennend durch die Nächte sprüht!
Nicht fließe in dein Traumgebild
Das wohllautlose Klagelied!

 Nicht störe dich mein tobend Herz,
Das ich im Busen halte kaum:
Nicht würdig ist des Sünders Schmerz,
Zu stören einen Engelstraum. (S. 158)
_____


More poems by Moritz Graf von Strachwitz

  • Adel der Frauen

    Es soll der Mann zur Sonne greifen,
    Zu seiner Ehre Wunderland,
    Zum tiefsten Schacht der Erde streifen …
  • An die Frauen

    Nicht in der Freude Glanzverklärung,
    Im wonnevollen Blütensaum,
    Im Zauberlächeln der Gewährung, …
  • Aus Liebesleid

    1.
    Die innre Glut macht zeitig alt,
    Meine Stirne wird schon faltig; …
  • Befürchtungen

    Die Nacht ist still, wir sind allein,
    Und du bist schön, wie je!
    Warum küßt nicht die Lippe mein …

All poems by Moritz Graf von Strachwitz →