VII.

by Johann Diederich Gries (1775–1842) · 1829 German

Mein Auge schweift umher, um dich zu finden;
Dich zu erschau'n, das ist sein einzig Hoffen.
Und dennoch bebt's, von deinem Blick getroffen,
Zaghaft zurück und will sich ihm entwinden.

Ich fühle rasch sich eine Glut entzünden,
Die mich verzehrt; denn wehrlos sind und offen
Mir Brust und Herz. So, zwischen Furcht und Hoffen,
Schweb' ich und beb', und alle Kräfte schwinden.

Und wie die Blume schmachtet auf den Auen,
Die Helios gewalt'ger Strahl verwundet,
Neig' ich das Haupt vor deinem Blicke nieder.

Doch Labung auch kann deinem Aug' entthauen;
Und wie die Blume, kaum benetzt, gesundet,
Hebt mich ein zweiter Blick zum Himmel wieder. (S. 175)
_____

More poems by Johann Diederich Gries

  • An Eleonore

    Auch du entfliehst? So welkt die letzte Blüthe
    Aus meines Frühlings bald verblichnem Kranz!
    Der letzte Strahl des Morgenlichts verglühte, …
  • Das Plätzchen im Walde

    Das Plätzchen im Walde.
    Du stiller Ort, wo oft mit lieblichem Erröthen
    Die Muse mir den Schleier fallen ließ, …
  • Der Arzt

    Der Arzt.
    Von der Krankheit Glut verzehret
    Lag des Königs einz’ger Sohn. …
  • Der Bach

    Der Bach.
    Lieblicher fleußt, o Bach, die stille Lethe
    Durch Elysiens Fluren nicht; es sprudelt …

All poems by Johann Diederich Gries →