Vigilien
[48] VIGILIEN I Die falben Felder schlafen schon, mein Herz nur wacht allein; der Abend refft im Hafen schon sein rotes Segel ein.
Jetzt wallt die Nacht durchs Land; der Mond, die weiße Lilie, blüht auf in ihrer Hand. II Am offnen Stubenfenster lehn ich
das Mondlicht windet silbersträhnig sich um den schwarzen Kirchturmknauf. [49] Sehn wenig Welten aus den Fernen auch durch den engen Hof ins Haus, –
ein ganzes, dunkles Leben aus. III Horch, der Schritt der Nacht erstirbt in der weiten Stille; meine Schreibtischlampe zirpt
Goldig auf dem Bücherstand glühn der Bände Rücken: zu der Fahrt ins Feenland Pfeiler für die Brücken. IV
beim toten Mütterlein verbracht und hat geweint und hat gewacht; – dann gingen Jahre, Jahre sacht: nie hat sie jener Nacht gedacht.
Da hat von Glut und Sünd entfacht die rote Lippe Lust gelacht, doch plötzlich – wie durch höhre Macht dacht sie der Nacht der Leichenwacht.