Stimmen des Palatin

by Marie Eugenie Delle Grazie German

[6]  Stimmen des Palatin. Stachelfeigen und Kakteen Prunken jetzt im Heiligthum Cäsars, und die Palmen wehen Kühlung in’s Triklinium.

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Wo die Füße scheuer Sklaven

Lautlos hin- und hergehuscht, Haben Schlingkraut und Agaven Nun den Mosaik umbuscht. Eingesunken seine Thermen

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Und der Säle gold’ne Pracht –

Trümmer und gestürzte Hermen Halten rings die Todtenwacht. Faul sein Purpur, morsch sein Scepter, Doch sein Athem und sein Geist,

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Noch in den Ruinen lebt er,

Wie ein Aar, der sie umkreist! Steige noch so keck und munter Hier hinauf, Despotenfeind, – Trüb und stumm kehrst du hinunter,

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Schauerst, wo du leicht verneint!

[7] Ihrer Stimmen mächtig Dröhnen Schallt vernehmbar an dein Ohr, Ihre Opfer hörst du stöhnen, Doch auch ihren Siegeschor!

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Mit dem Roth der Abendgluthen

Flammt dir ihres Purpurs Saum. Vor den Augen – und verbluten Siehst du ihren Weltentraum... Schreite sacht auf diesen Fliesen

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Tadler, ob dein Herz auch grollt,

Denn sie waren Willensriesen Und wir – werden nur gewollt!

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