Sonett 283

Der Duft, der Schatten und das kühle Wehen
     Des holden Laurus, der dem müden Leben
     Einst neue Ruh und neuen Glanz gegeben,
     Hieß er, der Allverwüster, schnell vergehen,

Wie Mondesschatten durch die Sonne gehen,
     So sah ich meiner Tage Licht verschweben;
     Dem Tod zu trotzen, muß ich nach ihm streben,
     Denn Leid nur ist’s, was hier die Blicke sehen.

Du hast, o Schöne, kurzen Traum geträumet,
     Erwacht bist du nun bey den seel’gen Schaaren,
     Die mit des Lebens Urquell sich vermählen.

Und wenn etwas vermag, was ich gereimet,
     So lebt dein Nahm’ auch in den fernsten Jahren
     Auf Erden, heilig noch den edeln Seelen.

Collection: 
Translator Simple: 
Carl Streckfuß
1804

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Von Amorn zum gewohnten Ort gekehret,
     Stand ich wie einer, der gefaßt zum Streiten,
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Ich wandte mich, und staunte süß bethöret,
     Sah...

Weh mir, den Amors harter Angriff findet.
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Als Cäsar einst aus des Verräthers Hand
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Und Hannibal, als nun sein Vaterland
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Auf ihrem Antlitz Mitleid aufzufinden
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Zum alten Kerker hat mich neu geführet
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     Doch floh ich aus der...