Sonett 138
Mich faßten heftig Amors schöne Arme Zu grauser Quaal — und wenn ich mich beschwere, Dann wird verdoppelt meiner Leiden Schwere, Drum sterb’ ich schweigend hin vor Lieb’ und Harme.
5
Wohl glaub’ ich, daß des Nordens Eis erwarme
Vor ihrem Blick — daß er den Fels zerstöre; Doch gleicher Stolz ist ihrer Schönheit Wehre, Daß sie nicht fragt nach der Bewundrer Schwarme. Ihr Herz, von hartem Diamant gestaltet,
10
Vermag mein Genius nicht zu erweichen —
Von regem Marmor sind die andern Glieder; Doch wenn die Stirn sie noch so düster faltet, Soll sie doch meine Hoffnung nie verscheuchen, Nie nehmen meine süßen Seufzer wieder.