Sonett 127

Amor und ich, wir sehn mit süßem Grauen
     Nach ihr, als solche, die ein Wunder sehen;
     Sie lächelt, ihre Silberlaute wehen,
     Und sich nur gleicht sie, und nicht andern Frauen.

Aus schöner Ruh der stillen Augenbrauen
     Quillt Licht und Gluth, wie aus des Himmels Höhen,
     Und wer sich will zu reiner Lieb’ erhöhen,
     Wünscht dieß nur und kein andres Licht zu schauen.

Wie herrlich ist’s, wenn sie gleich einer Blume
     Im Grase sitzt — wenn sie in grünen Matten
     Des weißen Busens warme Lilien kühlet?

Wie lieblich, wenn in Lenzes Heiligthume
     Sie einsam sinnend wallt in holden Schatten,
     Und kräuselnd mit dem Gold der Locken spielet?

Collection: 
Translator Simple: 
Carl Streckfuß
1804

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Von Amorn zum gewohnten Ort gekehret,
     Stand ich wie einer, der gefaßt zum Streiten,
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Ich wandte mich, und staunte süß bethöret,
     Sah...

Weh mir, den Amors harter Angriff findet.
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     Wie wenn...

Als Cäsar einst aus des Verräthers Hand
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Und Hannibal, als nun sein Vaterland
     Das grause...

Das goldne Haar, gelößt den sanften Winden,
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Auf ihrem Antlitz Mitleid aufzufinden
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Zum alten Kerker hat mich neu geführet
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     Doch floh ich aus der...