[92] Gastgeschenk.
Dies blaß in Flammen gelbundgrüne Mannsblatt,
knabenüppig, und dies zarte
Schneeglöckchen, eben aufgeblüht,
ganz furchtsam weiß,
5 im irdnen Topf –
die beiden Kinder wuchsen so allein...
[92] Gastgeschenk.
Dies blaß in Flammen gelbundgrüne Mannsblatt,
knabenüppig, und dies zarte
Schneeglöckchen, eben aufgeblüht,
ganz furchtsam weiß,
5 im irdnen Topf –
die beiden Kinder wuchsen so allein...
Nun verging der Stern der Frühe,
meine Augenlider brennen;
und die Sonne kann mit Mühe
die gefrornen Nebel trennen.
5 Mich verdrießt mein nächtlich Brüten;
drüben an den Häuserwänden
sprießen diamantne Blüten.
Meine Prüfung kann nun enden! –
Dieser Keller: dumpfer Zwinger!
10 Auf die dunstbelaufnen Scheiben
will ich breit...
[202]
Die Verwandlungen der Venus.
„Zeugen, Geburt und Tod,
Wann wird es stille!
Wo glüht das Urgebot,
Wo wacht der Wille?“
Otto Julius Bierbaum.
Gebet der Sucht.
Niemals sah...
Schwere Ringe ... und die Meinung
leere Schlinge ... werbe, werbe!
Dumpfe Kammer ... und das Erbe
– bringe Jammer – wird Erscheinung.
[107] Gieb mir!
Und du kamest in mein Haus,
kamst mit deinen schwarzen Blicken;
sah ich still die Palmen nicken,
und du gabst mir deinen Strauß.
5 Gabst die zitternden Narzissen,
die wir in der Wüste pflückten;...
[13] „Grüße!!!“
Postkarte von und an Arno Holz.
Drei Ausrufungzeichen und „Lieber Freund“ –
hat er das blos so hingemeint?
Er ist doch sonst nicht von der Sorte,
die Jedem gleich alle zehn Finger reichen;...
[82] Heimweh in die Welt.
Blieb es doch so lang’ vor Liebe stumm;
kann ich doch mein Herz, mein Herz nicht töten.
War ich Dein, nur Dein in Glut und Nöten;
weißt warum?
5 Weil mein Herz so wild;
weil es...
[97] Helle Nacht.
Nach Paul Verlaine.
Weich küßt die Zweige
der weiße Mond;
ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
5 als schweige sich der Hain zur Ruh –
Geliebte du.
...
[3]
Hieroglyphe.
In allen Tiefen
mußt du dich prüfen,
zu Deinen Zielen
dich klarzufühlen;
5 aber die Liebe
ist das Trübe.
Jedweder Nachen,
drin Sehnsucht singt,
ist auch der Rachen,...
[57] Jesus der Künstler.
Traum eines Armen.
So war’s. So stand ich: dumpf, doch fühlend: stumm:
im roten Saal, reglos, in dunkler Ecke:
dumpf, starr und fühlend: schwer: Stein unter Steinen:
bang:...