Scirocco-Phantasien
[54] Scirocco-Phantasien. Ein schwüler Tag... von unheimlichen Gluthen Geschwängert, athmet bang und träg die Luft; Die Sonne scheint am Himmel zu verbluten, Der Erd’ entströmt ein räthselhafter Duft,
Dir löst, doch heiß die Sinne dir erregt – Nur scheinbar küßt der Traumgott deine Lider, Zu bunt ist, was er zeigt und zu bewegt; Zu grell und leuchtend malen seine Farben,
Es ist, als bände er den Blitz zu Garben, Für seiner Bilder loh’nde Märchenpracht! – Auf stiller Höh’, wo ernst und traumverloren San Pietro und Bramante’s Tempel steh’n,
Dem dunkle Pinienzweige Kühlung weh’n. Wie ausgestorben liegt zu meinen Füßen Die Stadt im Banne des Scirocco: leer Und öd’... doch die Albanerberge grüßen
Und fern am Rand des Horizontes thürmen Gewitterschwanger sich die Wolken auf – Ein Flügelschlag des Windes – und sie stürmen Wie eine schwarze Legion herauf.... [55]
Ringsum; ein dumpfes Brüten in der Luft, Ein geisterhaftes Flüstern in den Zweigen, Verblühender Magnolien schwüler Duft – Versengend brennt die Sonne auf mich nieder,
Ha – Kühlung – Luft! Da sinken mir die Lider – Welch Rauschen? Traumgott – hör’ ich deinen Schritt?