Schlachtfeld bei Hastings
Schlachtfeld bei Hastings.[1] Der Abt von Waltham seufzte tief, Als er die Kunde vernommen, Daß König Harold elendiglich Bei Hastings umgekommen.
Die schickt’ er aus als Boten, Sie sollten suchen die Leiche Harold’s Bei Hastings unter den Todten. Die Mönche gingen traurig fort
„Hochwürdiger Vater, die Welt ist uns gram, Wir sind verlassen vom Glücke. „Gefallen ist der bessre Mann, Es siegte der Bankert, der schlechte,
Und machen den Freiling zum Knechte.
Wird Lord auf der Insel der Britten; Ich sah einen Schneider aus Bayeux, er kam
„Weh’ dem, der jetzt ein Sachse ist! Ihr Sachsenheilige droben Im Himmelreich, nehmt euch in Acht, Ihr seid der Schmach nicht enthoben.
Der große Komet, der heuer Blutroth am nächtlichen Himmel ritt Auf einem Besen von Feuer. „Bei Hastings in Erfüllung ging
Wir waren auf dem Schlachtfeld dort Und suchten unter den Leichen. „Wir suchten hin, wir suchten her, Bis alle Hoffnung verschwunden –
Wir haben ihn nicht gefunden.“
Der Abt rang jammernd die Hände, Versank in tiefe Nachdenklichkeit
„Zu Grendelfield am Bardenstein, Just in des Waldes Mitte, Da wohnet Edith Schwanenhals In einer dürft’gen Hütte.
Weil wie der Hals der Schwäne Ihr Nacken war; der König Harold, Er liebte die junge Schöne. „Er hat sie geliebt, geküßt und geherzt,
Die Zeit verfließt; wohl sechzehn Jahr’ Verflossen unterdessen. „Begebt euch, Brüder, zu diesem Weib Und laßt sie mit euch gehen
Wird dort den König erspähen.
Sollt ihr die Leiche bringen, Damit wir christlich bestatten den Leib
Um Mitternacht gelangten schon Die Boten zur Hütte im Walde: „Erwache, Edith Schwanenhals, Und folge uns alsbalde.
Den Sieg davon getragen, Und auf dem Feld bei Hastings liegt Der König Harold erschlagen. „Komm’ mit nach Hastings, wir suchen dort
Und bringen ihn nach Waltham-Abtei, Wie uns der Abt geboten.“ Kein Wort sprach Edith Schwanenhals, Sie schürzte sich geschwinde
Das flatterte wild im Winde.
Durch Sümpfe und Baumgestrüppe. Bei Tagesanbruch gewahrten sie schon
Der Nebel, der das Schlachtfeld bedeckt Als wie ein weißes Lailich, Zerfloß allmählig; es flatterten auf Die Dohlen und krächzten abscheulich.
Erbärmlich auf blutiger Erde, Nackt ausgeplündert, verstümmelt, zerfleischt, Daneben die Aeser der Pferde. Es wadete Edith Schwanenhals
Wie Pfeile aus ihrem stieren Aug’ Die forschenden Blicke schießen. Sie suchte hin, sie suchte her, Oft mußte sie mühsam verscheuchen
Die Mönche hinter ihr keuchen.
Es ward schon Abend – plötzlich Bricht aus der Brust des armen Weib’s
Gefunden hat Edith Schwanenhals Des todten Königs Leiche. Sie sprach kein Wort, sie weinte nicht, Sie küßte das Antlitz, das bleiche.
Sie hielt ihn fest umschlossen; Sie küßte auf des Königs Brust Die Wunde blutumflossen. Auf seiner Schulter erblickt sie auch –
Drei kleine Narben, Denkmäler der Lust, Die sie einst hinein gebissen. Die Mönche konnten mittlerweil’, Baumstämme zusammenfugen;
Den todten König trugen.
Daß man ihn dort begrübe; Es folgte Edith Schwanenhals
Sie sang die Todtenlitanei’n In kindisch frommer Weise; Das klang so schauerlich in der Nacht – Die Mönche beteten leise. –