Pomare
Pomare. I. Alle Liebesgötter jauchzen Mir im Herzen, und Fanfare Blasen sie und rufen: Heil! Heil, der Königin Pomare!
Missionärisirt ist jene – Die ich meine, die ist wild, Eine ungezähmte Schöne. Zweimal in der Woche zeigt sie
In dem Garten Mabill, tanzt Dort den Cancan, auch die Polke. Majestät in jedem Schritte, Jede Beugung Huld und Gnade,
Von der Hüfte bis zur Wade –
Liebesgötter die Fanfare Mir im Herzen, rufen: Heil!
II. Sie tanzt. Wie sie das Leibchen wiegt! Wie jedes Glied sich zierlich biegt! Das ist ein Flattern und ein Schwingen, Um wahrlich aus der Haut zu springen.
Auf einem Fuß, und stille steht Am End’ mit ausgestreckten Armen, Mag Gott sich meiner Vernunft erbarmen! Sie tanzt. Derselbe Tanz ist das,
Getanzt vor dem Judenkönig Herodes. Ihr Auge sprüht wie Blitze des Todes.
Sprich, Weib, was ich dir schenken soll?
Man schlage ab das Haupt dem Täufer! III. Gestern noch für’s liebe Brod Wälzte sie sich tief im Koth, Aber heute schon mit Vieren
In die seidnen Kissen drückt Sie das Lockenhaupt, und blickt Vornehm auf den großen Haufen Derer, die zu Fuße laufen.
Thut es mir im Herzen weh! Ach, es wird dich dieser Wagen Nach dem Hospitale tragen, Wo der grauenhafte Tod
Plumper Hand wird lernbegierig Deinen schönen Leib zerfetzt, Anatomisch ihn zersetzt –
Einst zu Montfaucon der Schinder. IV. Besser hat es sich gewendet Das Geschick, das dich bedroht’ – Gott sei Dank, du hast geendet,
In der Dachstub’ deiner armen Alten Mutter starbest du, Und sie schloß dir mit Erbarmen Deine schönen Augen zu.
Einen Sarg, ein Grab sogar, Die Begräbnißfeier freilich Etwas kahl und ärmlich war.
Hinter deiner Bahre gingen Nur dein Hund und dein Friseur. „Ach, ich habe der Pomare,“ Seufzte dieser, „oft gekämmt
Wenn sie vor mir saß im Hemd.“ Was den Hund betrifft, so rannt’ er Schon am Kirchhofsthor davon, Und ein Unterkommen fand er
Ros’ Pompon, der Provenzalin, Die den Namen Königin Dir mißgönnt und als Rivalin Dich verklatscht mit niederm Sinn.
Mit dem Diadem von Koth, Bist gerettet jetzt durch Gottes Ew’ge Güte, du bist todt.
Und ich glaube, dieses that er, Weil auch du so viel geliebt.