Philosophisches Ständchen

by Karl Immermann (1796–1840) · 1835 German

Von den Büchern hab' ich mich
Noch Clock Eilfe losgerissen,
Da ich einmal liebe dich,
Sollst du nicht des Ständchens missen.
Zärtlich steht dein Philosoph,
O Laurentia, hier im Hof.

Du ein Weib, und ich ein Mann,
Sind wir beiderlei Geschlechte,
Und in solchem Falle kann
Lieb' entstehn nach Fug und Rechte.
Was natürlich, ziemet sich,
Ergo darf ich lieben dich.

Von dem Wirbel bis zum Zeh
Bist du, Schatz, schlechthin vollkommen!
Das Vollkommne hat von je
Herz und Sinne eingenommen.
Ist denn nicht stringent der Schluß:
Daß ich drum dich lieben muß!

Im Begriff der Liebe sitzt
Thorheit fest, gleich einem Keile.
Thorheit ist es, daß ich itzt
Klimpernd, singend hier verweile.
Wär' ich aber nicht ein Thor,
Trät' ein Widerspruch hervor.

Sieh, so hab' ich Satz für Satz
Unsre Liebe demonstriret,
Und zugleich am selben Platz
Dir ein Ständchen construiret.
Schlafe wohl, Laurentia,
Denn des Schlafes Stund' ist da. (S. 43-44)
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