Ohne Larve
[271] Ohne Larve. Freunde, wollt ihr Fasching halten, Eine Larve braucht ihr nicht; Zeigt die eigenen Gestalten, Zeigt das eigne Angesicht.
Trugsam gern zu jeder Zeit; ’runter mit dem Afterleder, Zeigt euch heute, wie ihr seid. Zeigt uns, was an euch wir haben,
Eure freien, eignen Gaben Sind, uns zu erfreu’n, genug. Schmücke, Geist, uns, schmücke Liebe Freundlich unsern Faschingsschmaus.
Nun, der schleiche still hinaus. Steht die Kunst, sich zu verkappen, Bei der Raupenwelt in Gunst: Zu verschmähn des Scheines Lappen,
[272] Die uns draußen gern belügen Durch der Thorheit Mummerei’n, Sollen heut uns nicht betrügen, Sollen unsre Narren sein.
Heute wir zum Faschingsschmaus Alle, die zu Narr’n sich machen, Also wohl uns selber aus. Denn wir sind die wahren Narren,
Wenn in Kappen wir und Sparren, Selbst uns täuschend, untergehn. Drum betrachtet euch im Glase; Drinn ja soll die Wahrheit sein!
Spiegelt euch im klaren Wein. Gucket aus der heitern Quelle Euch des Herzens Närrchen an, Eingeständig seiner Schelle,