Nun ziehen herauf die Sterne all',
Im Thale läuten die Glocken;
Nun weht herab die träumende Nacht
Uns Thau und Blüthenflocken;
Am Bergrand schwimmt der blasse Mond,
Die Nachtfahrt anzutreten,
Du aber, mein Herz, sei fromm und still,
Nun ist es Zeit zum Beten.
Du Liebeshüter, du leuchtender Mond
In der Blumennacht des Maien,
Hast mitgeküßt, hast mitgeweint
Die Thränen von manchen Zweien.
Soll ich dir singen mein eignes Leid
Und alle verschwiegnen Gefühle,
So horche den Wipfeln, sie rauschen's all'
Und die Wellen im Rade der Mühle.
Die Pfade dunkeln, nun ruht das Thal,
Und küßt du mein Kind im Traume,
So grüß sie von mir zehntausendmal,
Vom Bach am Waldessaume,
Vom Rosenbusch und vom Schlehendorn,
Die haben's mit angesehen -
Nun fallen die Blätter der Rosen schon,
Nun reifen die stachlichen Schlehen.
Doch der Liebe naht kein Sturm noch Frost,
Du weinst nun, daß ich ferne.
Die Sterne glühen, drum sei getrost,
Meine Lieb' überdauert die Sterne.
Noch umsingen die Lerchen den heiligen Platz,
Wo wir einst frühmorgens geschieden -
Gott verzeih' dein Grollen, herzlieber Schatz,
Und schenk' uns Beiden Frieden!