Als der zweiffelhafte Morgen durch die trübe Wolcken brach /

  Als der zweiffelhafte Morgen durch die trübe Wolcken brach /
Und der Fürste der Planeten durch die Himmels-Fenster stach /
Hört' ich daß man Freuden-voll überlaut Gelücke ruffte:
Ich gedachte bey mir selbst / was man da für Freude hoffte /
Eilte von der Lagerstelle / nahte nach der Wörter-Klang /
Bald vernam ich daß man schone / schöne Braut Gelücke / sang.
Da beschloß ich gleichesfals sagende: mir wil gebühren
Durch bekandte Poesie / dieses hohe Fest zu ziehren.
Drauff so rufft' ich meine Musen umb getreuen Beystand an /
Weil die Faust ohn ihre Hülffe keine Verse schreiben kan:
Kombt ihr drey gedritten drey / Ihr / ihr weisen Castalinnen /
Und regiert durch euren Geist meines blöden Hauptes Sinnen.
Ach Apollo sprich den Seegen / daß ich reime / wie du thust /
Träncke mich mit deinem Necktar / daß es geh nach aller Lust.
Sehet wehrte Jungfrau Braut / Ihr numehr vertrauten beyde /
Wie daß schöne Wolcken-Gold strahlet her zu eurer Freude.
Venus singet Liebes-Lieder / Amor springet in den Tantz
Mit dem weissen Fackel Lichte / ist in Lust enttzündet gantz.
Nun weil Venus sich nicht scheut / von dem hohen Himmels-Throne
Ungeladen sich hermacht / mit dem Lichtreitz ihrem Sohne
Ja der gantze Götterhauffen läst den Himmel wüste stehn /
Alles tichtet Ehren-Reimen / alles wil zur Hochzeit gehn.
Ey so nehmet auch von mir / mit beliebtem Sinn und Händen /
Waß ich euch / Ihr schönen Zwey / habe wolln zu Ehren senden.

Collection: 
1657

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    Sch ö n s t e...