1.
Komm/ Liebste/ komm/ ietzt ist die beste Lust/
Umb diese Zeit zu kühlen Brust am Brust/
Wir wollen hier auff unsern Angern bleiben/
Die meiste Zeit mit Lieben zu vertreiben.
2.
Wir rasten aus in unbegraster Au/
Und rühmen hoch den edlen Acker-Bau!
Die Venus auch die lest in düstern Gründen
Den meisten Schatz der Liebeswürckung finden.
3.
Hier reitzt uns an ein Quellen-reicher Fluß/
Der jährlich sich für Liebe läuchen muß/
Es lagert sich der Baum-verliebte Schatten
Umb seinen Stamm umb seinen Ehegatten.
4.
Sieh/ Liebste/ nur den schwancken Rüst-Baum an/
Wie nah er doch der Ulme zugethan/
Wie hart er sich kan umb die Liebste winden/
Du wirst ihn stets an ihren Brüsten finden.
5.
Thu einen Blick in das geblümte Thal/
Du findest da die Liebe tausendmal/
Ein iedes Blat an so viel hundert Kräutern
Bemüht sich nur die Liebe zu erweitern.
6.
Die Wicke die/ das unverschämte Kraut/
Beschwängert fast zuviel die geule Braut;
Daz Jahr auch selbst liegt jährlich in den Wochen/
Wenn ihre Frucht die schwängre Schooß gebrochen.
7.
Sieh/ ob der Ast nicht schönre Biren trägt
Darauff sich hat der Apffel Baum gelegt/
Ob sie sich nicht noch einst so wol begeben/
Wo Mann und Weib in gleicher Impffung stehen.
8.
Betrachte nur die öde Wüsteney/
Ob sie nicht recht der Liebe Schule sey.
Wie Paar und Paar in dem Gehöltze fliegen/
Wie stoltz der Hirsch auf seine Prunfft gestiegen.
9.
Sieh den Magnet/ wie artig er sich schickt/
Wenn er für Brunst das Eisen an sich drückt/
Was stumme Krafft dem Agtstein doch verliehen
Die Venus hat/ die Spreuer anzuziehen.
10.
Hier buhlt der Wind mit unberührter Klufft/
Der junge Mäy mit der gesunden Lufft/
Man sieht mit Lust die ausgebreitten Heerden/
Wie starck und feist sie von der Liebe werden.
11.
Die Sonne hat sich keinmal auffgesteckt/
Wenn sie zuvor die Thetis nicht geweckt/
Sie ist nicht eh aus ihrer Schooß gegangen/
Sie hette denn noch einen Kuß empfangen.
12.
Die Schwester auch/ ohn die die Nächte blind/
Hat offt zu bald ihr Feuer angezündt/
Sie ist wol gar noch über Zeit geblieben/
Was länger noch Endymion zu lieben.
13.
Der Himmel selbst/ der gantz von Sternen blitzt/
Wo Jupiter mit seinem Donner sitzt/
Der hat die Glut der Liebe so gewonnen/
Daß offt sein Gold in Tropffen ist geronnen.
14.
Sieh Ammon auch/ den Götter-Vater an/
Wie viel er doch für Liebe hat gethan/
Er lies den Blitz bey Strahl und Donner liegen/
Und kam zu uns/ in unsre Welt/ gestiegen.
15.
Neptunens Fluth und seine stärckste Bach
War für die Glut der Liebe viel zu schwach:
Wie offt hat ihn das allzuliebe Lieben/
Den alten Greiß/ aus seiner Burg getrieben.
16.
Der Pluto selbst ward auch nicht eh vergnügt/
Bis er zuletzt der Cores Tochter kriegt.
Auch unser Pan lest seine Wälder stehen
Den gantzen Tag der Syrinx nachzugehen.
17.
Drumb/ Liebste/ komm; Jetzt ist die beste Lust/
Umb diese Zeit/ zu kühlen Brust am Brust/
Wir wollen hier auff unsern Angern bleiben
Die meiste Zeit mit Lieben zu vertreiben.