Weißt du noch - in Maienmonden,
Als wir gingen unter Birken?
Heil'ges Schweigen war verbreitet
In der knospenden Natur;
Denn sie hatte still zu wirken
In den Wäldern, auf der Flur.
Tausend Wiesen an den Buchten,
Tausend Bäume an den Schluchten
Frühlingsneu zu übergrünen,
War ihr heilig emsig Thun.
Und wir lauschten ihrem Weben;
Auf dem Berg, im Thal, dem feuchten,
War ein schweigend Liebesleben,
Selig schon im Augenleuchten,
Selig damals, ach, und nun -
Heut' im Herbste laß uns singen.
Heller Wind mit kühlen Schwingen
Fährt dahin im Blätterfall,
Treibt sie wirbelnd. Sturmgewaltig
Geht ein Sterben tausendfaltig
Durch das laute, luft'ge All.
Warum trauern? Ganz dein eigen,
Bin ich reich im Winterschweigen,
Reicher, als im Mai ich war.
Deine Stimme lieb vertraulich
Uebertönt das Waldesschauern,
Herzensfrühling zieht beschaulich
In das Sterben, in das Trauern:
So den Wechsel überdauern
Wollen wir noch manch ein Jahr.