Gute Nacht

by Julius Grosse (1828–1902) · 1882 German

Gute Nacht und gute Nacht!
Und auch heut noch kein Geständniß.
Warum scheuchte mir die Macht
Deines Blicks ein tief Bekenntniß?
Doch schon jetzt im Windeswehn
Wachst vielleicht du auf zum Weinen,
Möchtest nun zurückeflehn,
Was verscherzt dein streng Verneinen.

Wohin ist nun Stolz und Scheu?
Nimmer kehrt die Gunst der Stunde.
Trät' ich vor dich hin aufs Neu'
Schweigend mit der alten Wunde,
Löstest du wohl selbst den Bann,
Und du weintest in der Sonnen,
Hättest doch in Thränen dann
Eine schönere Welt gewonnen. (S. 7-8)
_____

More poems by Julius Grosse

  • Abschied

    Endlich Entscheidung - und ewig verloren,
    Ewig verstoßen - O still, ihr Klagen
    Traumentnüchterter Treugelübde! …
  • Aequinoctien

    Gleich den Tagen nun die Nächte.
    Stürme brausen thalhernieder,
    Stürme toben auch im Herzen, …
  • Als ich dich liebte, liebt' ich auch die Gotteswelt

    Als ich dich liebte, liebt' ich auch die Gotteswelt,
    Und alle Menschen schienen mir erhabener.
    Seit du mich aufgegeben, - wie vom Blitzesstrahl …
  • An der Kirchthür

    An der Kirchthür bin ich vorbeigegangen,
    In den Linden schlief der Wind.
    Ach, was mach' ich diesen lieben langen …

All poems by Julius Grosse →