Du stand'st mit mir hoch oben,
Von Rebenlaub umwoben.
Auf Waldeshügeln ruhten
Die rothen Abendgluthen.
Im Thale, tief geschieden,
Das Dorf mit seinem Frieden.
Rauchsäulen, blaue, stiegen,
Im Herbsthauch sich zu wiegen.
Ein Glöcklein fing an, Segen
Auf Berg und Thal zu legen.
Der Klang, so hell und erzen,
Bewegt' auch uns're Herzen,
Sie fingen an zu schwingen,
Von Sehnsucht tief zu klingen,
Bis mächtig angezogen,
Sie an einander flogen,
Und du bei ihrem Pochen
"Ich liebe dich" gesprochen.
Traumseliges Empfinden
Ließ mich nicht Antwort finden:
Ich hab', von dir umschlungen,
Zum Kuß dich nur gezwungen,
Und alles Glück zusammen
Gepreßt in seine Flammen.
Indeß war still vergangen
Der Abendröthe Prangen;
Vom Thurm hat, sanft geschwungen,
Das Glöcklein ausgeklungen.
Vom dunklen Hügel nieder
Wir gingen schweigend wieder,
Mit Purpur auf den Wangen,
Und uns're Herzen klangen.
aus: Gesammelte poetische Werke
von Ludwig August Frankl
Erster Band
Wien Pest Leipzig A. Hartleben's Verlag 1880