Wie kannst du doch so blöde sein?
Sieh', wie umher auf Wies' und Rain
Die Blumenäuglein winken!
Sie laden uns, sie laden dich
Mit stillen Neigen brünstiglich,
Von ihrem Thau zu trinken. -
O du, herzliebes Mädchen mein,
Wie kannst du doch so blöde sein?
Wie kannst du doch so blöde sein?
Hörst du das Schmettern in dem Hain,
Der Liebe süßes Girren?
Hörst du, wie Stimmen, leis' und lind,
Getragen von dem Abendwind,
Durch Wald und Fluren schwirren?
O du, herzliebes Mädchen mein,
Wie kannst du doch so blöde sein?
Wie kannst du doch so blöde sein,
Im lichten, luft'gen Sonnenschein,
Am Felsquell unter Rosen?
Der Fels erwarmt im goldnen Strahl,
Und munter rinnt der Quell zu Thal,
Mit Blüth' und Blatt zu kosen. -
O du, herzliebes Mädchen mein,
Wie kannst du doch so blöde sein?
Wie kannst du doch so blöde sein,
Wo Alles rings sich, Groß und Klein,
Zu Lieb' und Lust verbindet?
Du weißt ja, was die Mutter spricht:
"Das Freien, Liebchen, schadet nicht,
Wenn Brav und Brav sich findet!" -
O du, herzliebes Mädchen mein,
Wie kannst du doch so blöde sein? (Band 1, S. 165-166)