Er
Du treibst in frevelndem Behagen
Mit meiner Liebe deinen Spott.
Wie soll's das arme Herz ertragen?
Ich liebe dich und bin kein Gott,
Wär' ich ein Gott, mit Flammenpfeilen
Bohrt' ich mich in dein Herzchen ein;
Die Liebe ging zu gleichen Theilen.
O süßes Glück! du mein, ich dein!
Sie
Und kämest du mit Amors Schwingen
Und seinem Köcher, - einerlei!
Ein Mädchenherz läßt sich nicht zwingen,
Ob Gott, ob Mensch der Gegner sei.
Doch willst du, ungeberd'ger Knabe,
Versuchen, was die Bitte frommt, -
Versuch's! du weißt, daß gute Gabe
Dem rechtem Flehn entgegen kommt.
Er
So fleh' ich denn und flehe wieder:
"O laß mich unerhört nicht gehn!"
Du aber schlägst die Augen nieder,
Um den Verhaßten nicht zu sehn.
Sie
Ein gutes Wort, es findet immer
In gutem Herzen gute Statt;
Doch sagt die Welt, daß Eilen nimmer
Ein festes Haus gezimmert hat.
Er
Nicht frag' ich, was die Leute sagen;
Dich frag' ich, die du meine Welt!
Sie
So komm' nach zweimal sieben Tagen
Und frage, wie es sei bestellt.
Er
Und wenn dann nach zwei langen Wochen
Dein Liebster, Liebchen, kommt und frägt? -
Sie
Dann, wenn sein Herz ihm nicht gebrochen,
Sag' ich vielleicht - ob mein's noch schlägt.
(Band 1, S. 370-371)