Einer schönen Kranzwinderin

Die Rosen, die du mir gepflückt
In schönen Maientagen,
Wie hab' ich sie ans Herz gedrückt
Und stolz am Hut getragen!
Noch wird die Brust mir himmelweit,
Gedenkt sie an die Wonnezeit;
Danke, mein Liebchen, ich danke.

Die Reben, die du mir um's Glas
Beim Winzerfest geschlungen,
Sie würzten heiss das kühle Nass,
Dass wild mein Blut gesprungen;
Mir ward ein Glück - ich fass es kaum -
Kein schön'res sah mein schönster Traum;
Danke, mein Liebchen, ich danke.

Und willst du mir den Rosmarin
Zum Todtenkranze winden,
Wie leicht werd' ich von dannen ziehn,
Die ewige Rast zu finden.
Ein Gruss von dir fährt mit hinab,
Ein Gruss von dir weht um mein Grab;
Danke, mein Liebchen, ich danke.

Doch Lorbeerkränze gieb mir nicht;
Die sind kein Liebeszeichen;
Das unbestechlichste Gericht
Nur darf den Lorbeer reichen;
Ich bin ja dein und du bist mein;
Doch packe deinen Lorbeer ein;
Danke, mein Liebchen, ich danke.

aus: Requiem aeternam dona ei
Gedichte von A. Fitger
Leipzig A. G. Liebeskind 1894

Collection: 
1894

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