Singend über die Heide
Steigen Lerchen empor,
Goldige Knospen der Weide
Dringen am Ufer hervor,
Und der Himmel so wunderblau!
Allüberall hellsonnige Schau!
Ich und mein Lieb, wir beide
Wandeln durch sprießendes Rohr.
Kargen Worts ist der Kummer
Zehrend in tiefer Brust;
Aber noch tausend Mal stummer
Ist unsägliche Lust:
"Ich bin ja Dein und Du bist ja mein!"
Das mag ihr einziges Wörtlein sein;
Hat doch kein Weiser, kein Dummer
Jemals ein bessres gewußt.
Wolken über uns schwellen,
Kaum daß ein Windzug sie blies;
Traumhaft schwatzen die Wellen
Über dem farbigen Kies,
Ferne nur, ferne noch Lerchenlied -
Seliges Schweigen die Seele durchzieht,
Engel erschließen die hellen
Pforten zum Paradies.
aus: Deutsche Lyriker seit 1850
Mit einer litterar-historischen Einleitung
und biographisch-kritischen Notizen
Herausgegeben von Dr. Emil Kneschke
Siebente Auflage Leipzig 1887