Neuer Frühling

by Julius Grosse

Und wieder kommt der Frühling reich und golden
Und doch wie anders unter Blütendolden!
Gedenkst du noch der fremden Jahre, da
Ich täglich dich von ferne sah,
Da alles Glück nur erst ein schüchtern Hoffen,
Ein Traum, ein Bangen, stets vom Schreck betroffen?
Nun halt' ich dich am Herzen warm und weich,
Wie fremd ward mir die Welt, so schön und reich!
Mag brausen Wald und Flut in Wolkenstürmen,
Mir läutet's wie Festglockenklang von Thürmen.
Mag kommen Winter und der Wälder Tod,
Mir leuchtet jeder Morgen frühlingsroth.
Einst waren jene Stürme mir Gefährten,
Die einz'gen Freunde, die in Leid bewährten
Vertrauten, die mich jugendfrisch geheilt
Und meine stillen Freuden einst getheilt.
Was sind mir Stürme nun und Mondesnächte,
Als fremde Oeden, blinde Riesenmächte,
Die unverstanden walten! Du allein
Bist mir der Frühling, Sonn- und Mondenschein,
Du bist die Welt mir, strahlenhell voll Frieden,
Bist mir ein Jenseit, erdenabgeschieden:
Selbst dunkle Schattenwelten will ich kühn
Mit dir durchwandern, und sie werden blühn. (S. 73)
_____

More poems by Julius Grosse

All poems by Julius Grosse →