Neue Jahresfahrt

by Johann Karl Wilhelm Geisheim

[255]      Neue Jahresfahrt. Na, weil denn in dem Jahre Nicht unsers Bleibens ist, Herr Kronos, nun so fahre Sein Kutscher sonder Frist.

5
Frisch treib’ er seinen Schimmel

Auf heitrer Bahn umher, Doch zu der Fahrt gen Himmel Eil’ er nicht allzusehr. Sein flüchtig Roß hat Flügel;

10
Er fahr’ bedacht darum,

Nehm’ gut es in die Zügel, Und werf uns ja nicht um. Denn in den Wagentaschen Steckt unser Glück und Glas;

15
Die Geigen und die Flaschen

Und sonst zerbrechlich Was. Sollt’ er uns das zerschlagen, Das würde traurig sein; Wer könnt’ die Welt ertragen,

20
Gäb’s nicht mehr Geig’ und Wein.

[256] Drum laß er uns nicht sinken; Er fahre, wie es frommt, Er soll auch mit uns trinken, So oft ein Wirthshaus kommt.

25
Wir lassen ihn gewähren,

Er soll uns Führer sein. Bei schöner Wirthin kehren Wir schon am liebsten ein.

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