Nachtstück

by Friederike Brun

[28]           Nachtstück.     Am Ufer der Elbe.      Stille sinkt! In der Abenddämmrung Weben Athmet Ruhe, neues Leben, Wo des Stromes Schooß uns winkt.  

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     Eil’ empor,

Vollmond! wo dem Schimmersaume, Schwebend über’m Weidenbaume,      Leis’ entwallt der Purpurflor.        Schauerlich

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Hallt’s in tiefgesenkten Pfaden,

Jezt an dunkeln Bachgestaden; Ahndungsvoll umflüstert’s mich.      [29] Zauberisch Fällt durch leichtgehobne Ranken

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Dunkelhelles Schattenwanken

Auf das duftende Gebüsch.      Tief herab Wandeln wir in trauter Enge, Hand in Hand, die Windegänge;

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Freundschaft reicht den Pilgerstab.

     Nun empfängt Uns die Grotte, ernst und traurig, Still und düster, reg’ und schaurig, Dicht mit Immergrün behängt.  

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     Schauer sinkt;

Mondlicht hüpft am weissen Aste Unterm hohen Laubpallaste, Und der Quelle Silber blinkt.      [30] Wolken ziehn;

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Schnell verlischt des Baches Spiegel,

Dunkel stehn die Tannenhügel, Und der Elfen Heere fliehn.

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