An Schulz und Voß

by Friederike Brun

[70]         An Schulz und Voß.     Zum Dank für Ihr Lied:         Trost am Grabe. Einsam, bang, mit thränenleerem Blicke,      Tief versenkt in finstre Grübelei, Fodert’ ich den Bruder kühn zurücke      In des trübsten Jammers Phantasei:

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Sah’ den Strom, der wirbelnd mit ihm eilet,

     Tief hinab ihn zieht im schnellen Lauf; Riß die Wunde, die durch Dulden heilet,      Grausam, eigenmächtig wieder auf: Horchte jedem Lüftchen, jedem Säuseln –

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     Schaute starr nach jedem Schatten hin;

[71] Foderte von jedem leichten Kräuseln      Deiner Wog’, o Meer! den Theuern, ihn! Harmonie! du Freundinn meiner Thränen,      Flohst seit jenem Abend[1] meine Brust,

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Und versagtest meinem bängsten Sehnen

     Deiner Klagetöne süsse Lust! Träumend wankt’ ich zu den goldnen Saiten,      Die so oft mir sanften Trost gewährt: Trost am Grabe tönte mir vom weiten;

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     Leiser Laut, den ich so lang entbehrt!

Freier Athem, Stimme füllte wieder      Die zum Seufzen nur gehobne Brust; Thränen flossen mildiglich hernieder,      Mit der Wehmut bittersüssen Lust.

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[72] Seht! es dankt, es dankt Euch diese Thräne,

     Voß, du Edler! Schulz, du Theurer, dir! Daß zu finster sich mein Geist nicht sehne,      Oeffnet Ihr ein Lichtgefilde mir! Söhne des Gesangs! o wandelt weiter,

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     Hand in Hand, die dankumtönte Bahn;

Jede Thräne, auf der Wesen Leiter      Hebt sie höher Euch zum Lohn hinan!

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