Nacht lag auf meinen Augen
Nacht lag auf meinen Augen, Blei lag auf meinem Mund, Mit starrem Hirn und Herzen Lag ich in Grabesgrund.
Daß ich geschlafen hab’; Ich wachte auf und hörte Wie’s pochte an mein Grab. „Willst du nicht aufstehn, Heinrich?
Die Todten sind erstanden, Die ew’ge Lust begann.“ Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn, Bin ja noch immer blind;
Gänzlich erloschen sind. [168] „Ich will dir küssen, Heinrich, Vom Auge fort die Nacht; Die Engel sollst du schauen,
Mein Lieb ich kann nicht aufstehn, Noch blutet’s immerfort, Wo du in’s Herz mir stachest Mit einem spitz’gen Wort’.
Dir meine Hand auf’s Herz; Dann wird es nicht mehr bluten, Geheilt ist all sein Schmerz.“ Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn,
Hab’ ja hinein geschossen, Als du mir wurdest geraubt. „Mit meinen Locken, Heinrich, Stopf’ ich des Hauptes Wund’,
Und mache dein Haupt gesund.“ [169] Es bat so sanft, so lieblich, Ich konnt’ nicht widerstehn; Ich wollte mich erheben,
Da brachen auf die Wunden, Da stürzt’ mit wilder Macht Aus Kopf und Brust der Blutstrom, Und sieh! – ich bin erwacht.