Mistral

by Marie Eugenie Delle Grazie

[83]  Mistral. Der Mistral Weht durch die Straßen und fegt Die Chiaja entlang, daß hochauf Der Schönen flatternde Schleier sich bauschen und

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Dem Schäker die goldig-braunen Nacken enthüllen,

Der hangenden Flechten Sammetglanz Und die kleinen, korallengeschmückten Ohren, Noch rothgeküßt vom letzten Stelldichein.... Toll bläst er

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Im Meere draußen die Backen auf und jagt

Vor sich her pfeilgeschwind die Fischerbarken, Fährt in die knatternden Segel und holt Des Himmels trotzigste Wolke keck zum Tanz! Fern’ aber,

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Wo schillernd die Wogen um

Sorrento hüpfen und Von gold’nen Sonnenfurchen die Wasser blitzen, Beginnt sein Zauberreich: Zum Schöpferodem

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Wird hier sein Weh’n, zum gestaltenden, der Licht

Und Lust und Meer in glänzende Schaumgebilde Verwandelt und aufleben läßt In mystischen Urweltformen, In seliger Urweltlust! [84]

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Horch! dröhnt nicht

Vom Ausschlag der Meeresrosse Die brausende Fluth? Mit Sonnenstrahlen-Zügeln Lenkt sie Poseidon – sieh,

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Und ihre weißen Mähnen flattern im Winde!

Kopfüber Stürzen die Faune der See, Die neckischen Tritone in die Wogen, Und zwischendurch

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Lachen die meerblauen Augen

Der Tethystöchter, blinkt’s Von schneeigen Nacken, Von schaukelnden Hüften Und perlenthau-benetztem, gold’nem Haar!

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Sie sind’s, sie sind’s,

Die lenchtenden Herrscher der Tiefe! Schon hör’ ich Ihrer Muschelhörner Gedröhn – Ein Weilchen noch –

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Und sie rauschen an’s Land und schmiegen

Die weichen Glieder in den glitzernden Sand.... So träum’ ich wachenden Aug’s – da zerrinnt Der Götterfestzug in schäumende Wogenkämme, Scharf weht’s vom Vesuv herüber

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Und mir zu Füßen rauscht

Mit heimlichem Gekicher plätschernd die Fluth an.

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