Mein Herz

by Karl Siebel (1838–1868) · 1859 German


Es ist mein Herz ein kleines Haus,
Mitten, mitten im Walde;
Viel Vöglein fliegen wohl ein und aus,
Wohl über Flur und Halde.

Sie fliegen hin, sie fliegen her,
Singen trauliche Lieder;
Ziehn über Berge, fliehn über's Meer
Und kommen singend wieder.

Sie pflücken sich im Morgenschein
Gold'ne, glänzende Rosen;
Sie lernen von dem Zephyr im Hain
Mit Veilchenblüthen kosen. -

Wohl ist mein Herz ein glücklich Herz;
D'rin thront eine Königinne,
Die macht zur Wonne jeglichen Schmerz
Mit ihrer süßen Minne.

Ihr fliegen all' die Vöglein zu,
Kosen mit ihr und küssen,
Und sie, - sie wird in lächelnder Ruh'
Wohl Alles leiden müssen.

Ach, seit im Haus die Königin,
Ist's d'rin so licht und helle; -
Mich dünkt, es ist so traulich darin,
's ist ein Waldkapelle.
(S. 199-200)

More poems by Karl Siebel

All poems by Karl Siebel →