Mein Herz

by Ernst Blass (1890–1939) · 1918 German

1
Und schmerzhaft denk ich deiner blonden Stimme
Durch Raum und Lust und Straßen lange nach.
Mein Herz hüpft zittrig durch das Leere, Schlimme,
Blöd-Nieerlangbare, das mich so brach,

Ich bin vor Sehnen qualvoll und bewegt ...
Die Lampe steht real auf meinem Tisch.
Was fern von mir ist, das ist trügerisch
Und dauert stumm, bis mich der Tod verschlägt.

2
Verloren schwebe, schlafe ich umher
In einer seidnen, guten Außenwelt.
Ich bin ja still und bin so gar nicht schwer,
Daß nichts mich nur auf kurze Zeit behält.

Ich fühl, wo hinter Häusern, Platz und Stadt
Du, Sonne, dich im Abendglanze senkst,
Daß du, Geliebte, gehst, belebt und glatt ...
Ich fühle sehr, wie du nicht an mich denkst. (S. 68)
_____

More poems by Ernst Blass

  • Seit ich zuviel an dich denke

    Seit ich zuviel an dich denke,
    Bin ich nicht mehr frei und munter.
    Such ich, wie ich es versenke, …
  • Abendstimmung

    Stumm wurden längst die Polizeifanfaren,
    Die hier am Tage den Verkehr geregelt.
    In süßen Nebel liegen hingeflegelt …
  • Alle Wellen sind verrauscht -

    Alle Wellen sind verrauscht -
    Wie der Atem stockt!
    Wie das Ohr erwartend lauscht, …
  • An Gladys

    O du, mein holder Abendstern ...
    Richard Wagner
    So seltsam bin ich, der die Nacht durchgeht, …

All poems by Ernst Blass →