Müde

by Otto Ernst

[39]
Müde.

Ich zog auf fernen Wanderungen An manchem stillen Ort vorbei, Wo mich’s mit Allgewalt durchdrungen, Wie selig dort die Ruhe sei.

5
Mit hohen Wipfeln sah ich ragen

Den Föhrenwald am Felsenhang; Wie leiser Gruß aus fernen Tagen Der Wind durch seine Kronen klang. Ein Wasser ging in seinem Grunde –

10
Es weilte still mein Bild darin –

Von Stein zu Stein, von Stund’ zu Stunde Mit ewig gleichem Sang dahin. Und rings zersprengte Felsenmauern In altbemooster Einsamkeit –

15
Auf einem Felsblock sah ich kauern

Ergraut und stumm die tote Zeit. Ich zog auf fernen Wanderungen An manchem stillen Ort vorbei, Wo mir die Sehnsucht vorgesungen,

20
Wie selig dort die Ruhe sei.

[40]
O wie bescheiden wir uns stille

Mit jedem jungen Traum zuletzt! Mich hat des Schicksals harter Wille Durch Angst und Not und Qual gehetzt.

25
Nach aller Sorgen Gift und Kummer,

Nach dieses Lebens Schein und Trug – Zur letzten Rast, zum langen Schlummer Ist jeder Winkel gut genug. Auf lautem Markt, im Tagesscheine

30
Geht mir’s verlangend durch den Sinn:

Ich legte mich auf diese Steine, Wie gern! zur letzten Ruhe hin.

More poems by Otto Ernst

All poems by Otto Ernst →