Alles ist ewig

by Otto Ernst

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Alles ist ewig.

In den morgenfrischen Bäumen Hing ein letzter Hauch der Nacht, Und die Blumen machten Augen Wie ein Kind, wenn es erwacht –

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Holder Schreck entriß mich plötzlich

Lächelnder Versunkenheit –: Eine Rose hat geduftet Wie ein Lied aus Kinderzeit! Eilends sucht’ ich: Welche war es? –

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Duft und Blüte weit und breit! –

Doch nicht and'ren Duft vernahm ich; Aufgetan die Seele weit, Ging ich atmend, dürstend, sehnend Durch des Gartens Herrlichkeit –

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Und ich hab’ sie nicht gefunden,

Die mich rief aus ferner Zeit. O, ich seh’ es, euer Lachen, Schnell und klug zum Spott bereit! Seid gewiß, in regen Lüften

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Weiß mein Herz von je Bescheid.

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Aufgehoben bleibt im Ganzen

Jedes Atems leises Wehn; Einst an einem großen Morgen Wirst du’s lächelnd wiedersehn.

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Eine Rose hat geduftet

Wie ein Klang aus Kinderzeit; Duft und Klingen, Heut’ und Gestern Weben all’ an einem Kleid.

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