Kronenburg am Sunde

by Friederike Brun

[100]        Kronenburg am Sunde. Des Abends Purpur sinkt in den Hain herab, Am Meeresstrand steht herrschend die Festung da;      Dumpf rollt die Wog’ an des Ufers Kiesel;      Kulla steht schaurig im Duft der Ferne [1].

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Der Dolen Heer umschwärmet den grauen Thurm,

Laut schreiend streift die Möve der Wogen Haupt;      Der Sturm verhallt in den Felsengängen,      Rasselnder Ketten Getön erklirret. [101] Die Dämmrung schwebet leis’ auf des Meeres Schooß.

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Die Woge thürmt sich hoch ans Gestad’ empor –

     Es sinkt die Wolke – das Meer steigt brausend;      Trübe verlischt der Gestirne Fackel. Des Pharos Flamm’ entglimmet auf Kullas Höh’; Sie wehet schwankend unter des Sturms Geheul,

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     Das lauter tobt und des bangen Schiffers

     Aengstlichen Flehens verhöhnend spottet. Das Seegel reißt, und krachend entstürzt der Mast; Es siedet das Meer und gürtet mit Schaum den Fels;      Das Schiff zerschellt an der schroffen Klippe –

20
     Wehklag’ ertönt in des Dunkels Grausen.

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