Kaiser Rudolf

by Rainer Maria Rilke

[50] KAISER RUDOLF Hoch auf seiner Himmelswarte über einer Sternenkarte sitzt der Kaiser Rudolf dort, forschend, ob der langerharrte

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Flugstern, der die Weisen narrte,

streifen würde diesen Ort. Und er fragt den Astrologen, der am hohen Himmelsbogen alle Wandelwege weiß:

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»Wird von Unglück der betrogen,

den der Stern hineingezogen in den unheilvollen Kreis?« [51] Und der Alte weicht ihm leise aus : »Der Stern zieht seine Gleise,

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Herr, im fernen Ätherreich!«

Und gen Süden sieht der Weise; — und der Kaiser schaut die Kreise seines Globen, ernst und bleich. — Und von Süden kommt Verderben,

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kommt Matthias. — Eilge Erben

lassen ihm nur den Hradschin; und der Kaiser spricht im herben Spott: »Mir bleibt nichts, als zu sterben, denn schon bin ich tot für ›ihn‹.

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Alter! Laß den Blick uns heben!

du hast recht, die Sterne schweben hoch ob allem Erdenbann; aber — die nach ihnen streben, knüpfen selbst ihr dunkles Leben

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an die lichten Lose an! «

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