Im Hafen
Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat, Und hinter sich ließ das Meer und die Stürme, Und jetzo warm und ruhig sitzt Im guten Rathskeller zu Bremen.
Im Römerglas sich wiederspiegelt, Und wie der wogende Mikrokosmus Sonnig hinabfließt in’s durstige Herz! Alles erblick’ ich im Glas,
Türken und Griechen, Hegel und Gans, Zitronenwälder und Wachtparaden, Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg, Vor allem aber das Bild der Geliebten,
[368] O, wie schön! wie schön bist du, Geliebte! Du bist wie eine Rose! Nicht wie die Rose von Schiras, Die hafisbesungene Nachtigallbraut;
Die heiligrothe, prophetengefeierte; Du bist wie die Ros’ im Rathskeller zu Bremen! Das ist die Rose der Rosen, Je älter sie wird, je lieblicher blüht sie,
Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht, Und hielt mich nicht fest, am Schopfe fest, Der Rathskellermeister von Bremen, Ich wäre gepurzelt!
Und tranken wie Brüder, Wir sprachen von hohen, heimlichen Dingen, Wir seufzten und sanken uns in die Arme, Und er hat mich bekehrt zum Glauben der Liebe,
Und allen schlechten Poeten vergab ich, Wie einst mir selber vergeben soll werden; Ich weinte vor Andacht, und endlich Erschlossen sich mir die Pforten des Heils,
[369] Schweigend pred’gen, und doch so verständlich Für alle Völker. Das sind Männer! Unscheinbar von außen, in hölzernen Röcklein,
Denn all die stolzen Leviten des Tempels, Und des Herodes Trabanten und Höflinge, Die goldgeschmückten, die purpurgekleideten – Hab’ ich doch immer gesagt
Nein, in der allerbesten Gesellschaft, Lebte beständig der König des Himmels. Hallelujah! Wie lieblich umwehen mich Die Palmen von Beth El!
Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude! – Auch meine unsterbliche Seele taumelt, Und ich taum’le mit ihr und taumelnd Bringt mich die Treppe hinauf, an’s Tagslicht,
Du braver Rathskellermeister von Bremen! Siehst du, auf den Dächern der Häuser sitzen Die Engel und sind betrunken und singen; [370] Die glühende Sonne dort oben
Und um die rothe Weltgeist-Nase Dreht sich die ganze, betrunkene Welt.