Hochzeit

by Alberta von Puttkamer

Das war ein Haus am Meeresstrand,
Dran kletterten wilde Feigen -
Es lag im dunkeln Garten rings
Ein myrthenduft'ges Schweigen ...

Die Wellen liefen und der Wind
Frisch an vom Mittelmeere;
Das rann wie Lachen durch die Luft
Und neckend schwand's ins Leere.

Dort haben Zwei sich aus der Welt
Gerettet in die Stille. -
Zu schöner Einheit band sie nun
Des ew'gen Gottes Wille.

Und das verlorne Paradies
Mit seinen Seligkeiten
Beginnt sein lichtes Morgenroth
Ob ihrem Haupt zu breiten.

Rings ist es still; vom Meere nur
Kommt's wie ein fremdes Singen.
Es darf die heil'ge Einsamkeit
Kein niedrer Laut bezwingen ...

O, wundervoller Hochzeitstraum!
Die Myrthe, die südlich-echte,
Steigt rankend in die Kammer hinein,
Daß sie ihr Haupt umflechte.

Das Brautlied singt eine Möve fern;
Als Fackel flammt auf den Klippen
Der Mond - und der süße Hochzeitstrank
Sind Küsse von ihren Lippen.

Das war ein Haus am Meeresstrand,
Dran kletterten wilde Feigen -
Es lag im dunklen Garten rings
Ein myrthenduft'ges Schweigen ...

aus: Dichtungen von Alberta von Puttkamer
Leipzig 1885 (S. 76-77)

More poems by Alberta von Puttkamer

All poems by Alberta von Puttkamer →